Wer übernimmt die Pflege? Geschwisterkonflikte und Lösungsansätze
Aus dem Leben von pflegenden Angehörigen
Wer übernimmt die Pflege?
Eine interessante Fragestellung ist, ob es in ganz Deutschland üblich ist, dass die Pflege der Eltern immer von demjenigen übernommen wird, der am nächsten am Wohnort der Eltern ist. Diese Frage kann mit einem klaren JA beantwortet werden. Berichte von fast allen Familien, die dieses Phänomen erlebt haben, bestätigen dies. Eine kürzlich durchgeführte Studie belegt ebenfalls diese Tatsache.
Eine interessante Erkenntnis, die Experten in der Pflege gewonnen haben, ist, dass die Anzahl der Kinder nicht unbedingt ein Indikator dafür ist, wer sich um die Pflege der Eltern kümmert. Oftmals ist es nur ein einziges Kind, das die Hauptverantwortung für die Pflege übernimmt, während sich die anderen Geschwister eher fernhalten. Die Gründe dafür sind vielfältig und lassen sich nicht allein auf die örtliche Nähe zurückführen.
Eine wichtige Rolle spielen auch emotionale Bindungen und das Verantwortungsbewusstsein des pflegenden Kindes. Es ist oft die Tochter, die sich der Pflege der Eltern annimmt, da sie häufiger in Pflegeberufen tätig sind und daher bereits über Erfahrungen im Umgang mit älteren Menschen verfügen. Auch das traditionelle Rollenbild, wonach Frauen für die Pflege von Familienangehörigen zuständig sind, kann eine Rolle spielen.
Die Pflege von Angehörigen kann jedoch sehr belastend sein und erfordert viel Zeit und Energie. Die pflegenden Angehörigen müssen sich oft um alle Aspekte des täglichen Lebens ihrer Eltern kümmern, von Einkäufen und Arztbesuchen bis hin zur Unterstützung bei täglichen Aufgaben wie Körperpflege und Nahrungsaufnahme. Es kann schnell passieren, dass die Belastungen und Herausforderungen der Pflege zu einem Gefühl der Überforderung und des Stresses führen. Es ist daher wichtig, dass pflegende Angehörige Unterstützung erhalten und sich regelmäßig um ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden kümmern, um die Pflege langfristig bewältigen zu können.
Verborgene Pflegebelastung: Wenn ein Geschwister die Hauptlast trägtEs ist nicht ungewöhnlich, dass die hauptsächliche Pflege und Unterstützung der betagten Eltern von einem der Geschwister übernommen wird, während die anderen Geschwister nur gelegentlich zu Besuch kommen und sich kaum um die Eltern alltäglichen Dinge kümmern. Dies führt oft dazu, dass die anderen Geschwister nicht die volle Tragweite der Pflegebelastung oder der Bedürfnisse der Eltern erfahren und möglicherweise nicht in der Lage sind, die Situation vor Ort realistisch einzuschätzen.
Allerdings kommt es auch vor, dass die betagten Eltern den anderen Geschwistern ihre Bedürfnisse und den Umfang der Unterstützung, die sie benötigen, nicht mitteilen oder minimieren, um sie nicht zu belasten oder um den Schein zu wahren.
Ein anderes Bild ist, wenn die pflegende Tochter die Verantwortung für die Pflege alleine übernimmt, ohne ihre Geschwister zu involvieren, weil sie befürchtet, dass diese ihre Bemühungen kritisieren oder keine Unterstützung leisten wollen.
In vielen Fällen besuchen die anderen Geschwister die Eltern nur gelegentlich und oft an einem bestimmten Tag im Monat, was dann ein besonderer Tag für die Eltern ist. An diesem Tag putzen sich die Eltern heraus, um den Eindruck zu erwecken, dass sie noch voller Energie und Vitalität sind. Die Tochter, die die Pflege übernimmt, kann währenddessen staunend danebenstehen und erleben, wie viel Energie in ihren Eltern noch steckt, die kurz vor dem Besuch noch völlig desorientiert waren.
Neid in der Pflege zuhause
Es ist verständlich, dass die pflegende Tochter in dieser Situation mit einem Gefühl der Ungerechtigkeit und des Neids konfrontiert ist. Trotz all ihrer harten Arbeit und Opfer scheint es so, als ob ihr Bruder nur die angenehmen Momente mit den Eltern genießen darf, während sie mit den schwierigen und belastenden Aufgaben allein gelassen wird. Es ist nicht fair, dass sie nicht die gleichen schönen Momente mit ihren Eltern teilen kann wie ihr Bruder, und es ist verständlich, dass sie sich nach Wertschätzung und Anerkennung sehnt. Es ist auch verständlich, dass sie das Gefühl hat, dass ihre Anstrengungen und Hingabe nicht ausreichend gewürdigt werden. Es ist schwer für sie zu sehen, wie ihre Mutter ihren Bruder so begeistert lobt, während ihre eigenen Leistungen oft unbeachtet bleiben. Es wäre ein Trost, wenn ihr Bruder ihre Situation besser verstehen würde und sie unterstützen würde, um gemeinsam schöne Momente mit den Eltern zu teilen. Doch in dieser Situation fühlt sie sich allein und unverstanden, was ihre Gefühle der Ungerechtigkeit und des Neids verstärkt.
Freilich weiß er, was sie leistet, aber so schlimm sei der Zustand der Eltern doch gar nicht, meint er. Ob die Schwester wohl etwas übertreiben würde? Und überhaupt, eigentlich sind die Eltern doch noch ganz gut drauf, oder?
Lösungsvorschlag bei Geschwisterkonflikten in der Pflege
Selbst wenn Sie als pflegender Angehöriger alles für Ihre Eltern tun, kann es manchmal frustrierend sein, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie nicht genug Anerkennung für Ihre Arbeit erhalten. Es kann auch schwer zu ertragen sein, wenn ein Geschwisterkind nur selten zu Besuch kommt, aber dennoch als der "gute Sohn oder die gute Tochter" angesehen wird, während Sie den Großteil der Pflege übernehmen und dabei oft auf Ihre eigenen Bedürfnisse verzichten müssen.
In solchen Situationen kann es hilfreich sein, sich mit anderen in ähnlichen Situationen auszutauschen und um Unterstützung zu bitten. Es kann auch sinnvoll sein, eine klare Kommunikation mit den Geschwistern zu führen und zu versuchen, Aufgaben gerecht aufzuteilen. Wenn dies nicht möglich ist, können Sie versuchen, sich selbst etwas Gutes zu tun und sich Auszeiten zu gönnen, um Ihre eigenen Batterien wieder aufzuladen. Schließlich ist es wichtig zu erkennen, dass Sie als pflegender Angehöriger eine wertvolle Rolle in Ihrer Familie und für Ihre Eltern spielen, auch wenn dies nicht immer ausdrücklich gesagt wird.











